Von Romantik bis Rock

09. Juni 2022 Bereich Süd Konzerte Berichte

Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr Garmisch-Partenkirchen gastierte wieder in Freising

Von Raimund Lex

Mit einem weiteren großen Konzert sammelte das Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr Garmisch-Partenkirchen am 18. Mai 2022 in der Luitpoldhalle Gelder zugunsten des Bundeswehr-Sozialwerks und der Bürgerstiftung Freising.

Das Bundeswehr-Sozialwerk unterstützt seit Jahrzehnten Angehörige der Bundeswehr finanziell und materiell, die eine Beeinträchtigung haben, unverschuldet in eine Notlage geraten sind, bei Auslandseinsätzen verwundet wurden oder Hinterbliebene von gefallenen Soldaten sind. Die Bürgerstiftung Freising fördert seit Ende 2009 Aktivitäten und Projekte zur nachhaltigen Entwicklung im Bereich der Stadt Freising, vorrangig Projekte für Kinder, Jugendliche und Seniorinnen/Senioren, sozial Benachteiligte, zur Integration, Kulturarbeit, Ökologie und zum Klimaschutz. Veranstalter war die Stadt Freising, das große symphonische Blasorchester stand unter der bewährten Stabführung von Oberstleutnant Karl Kriner.

Nach „langer Wartezeit“, so Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher, empfinde man „große Freude“, dass nun das Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr Garmisch-Partenkirchen endlich wieder in Freising gastieren könne. Aber nicht nur die Freisinger freuten sich, wusste der Rathauschef, sondern auch die Musiker, dass sie wieder auftreten können. Deshalb konnte Karl Kriner auch im Brustton der Überzeugung verkünden: „Vielen Dank, dass Sie uns die Treue gehalten haben und wir die gute alte Tradition fortsetzen dürfen – nach dieser langen Durststrecke.“ Und die reicht in Freising wirklich viele Jahre zurück. Leider blieben in der Luitpoldhalle aber trotzdem viele Sitzreihen leer. Ehrengäste aber waren viele gekommen, an ihrer Spitze der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei Staatsminister Dr. Florian Herrmann oder auch Altlandrat Manfred Pointner mit Gattin.

Man habe die Corona-Pause genutzt, so Oberstleutnant Karl Kriner, „ein ganz neues, wunderschönes, abwechslungsreiches Programm“ zu erstellen, in der Luitpoldhalle mit dem Thema „Jagd“ im ersten Teil. Flott ging´s auch los, mit dem „Oberst Graf Dürkheim-Marsch“ von Max Högg, einem „urbayerischen Marsch“ für den Vertrauten des Bayernkönigs Ludwig II., dem Kommandeur des Infanterie-Leibregiments München. Ein toller Marsch, ein tolles Orchester. Die Ouvertüre zur Operette „der Freischütz“ griff das Thema Jäger, Wald auf, die Jagdhörner bekamen ihre Bedeutung, die nationale Romantik war aus dem Werk herauszuhören. Dann wurde es noch romantischer: „Die schwarzen Jäger“ von Eduard Partsch standen auf dem Programm. Der „Zauberlehrling“ (Cesar Franck) durfte dann nicht auftreten, stattdessen stürmte „Der verfluchte Jäger“ unheilvoll durch die Luitpoldhalle. Erfrischend kommt dann vor der Pause John Williams „Indiana Jones Selection“ arrangiert von Hans von der Heide daher. Williams sei der „beste Komponist über lange Jahre“ gewesen, urteilt Kriner, mit seinem Orchester bringt er diese Kunst in die Herzen des Publikums. Der „Jäger des verlorenen Schatzes“ ließ grüßen.

Änderungen brachte der zweite Teil des famosen Konzertes. Statt Pauken und Trompeten von Siegfried Bethmann erinnerte das symphonische Blasorchester mit Julius Fucík an „Uncle Teddy“, den amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt (1859-1919) und dessen Neckname (den dieser gehasst haben soll). Das Publikum in der Luitpoldhalle genoss das Werk. Auch den guten Freund mit dem Solo für vier Posaunen konnten die Frauen und Männer aus Garmisch-Partenkirchen nicht vorstellen (Werner Richard Heymann) – Corona war dazwischengekommen. Das tat aber dem Abend keinen Abbruch: Das Orchester wurde mit einem Alphorn angereichert, die „Alphorn-Ballade“ erklang, und das mit einem Alphorn-Solo, phantastisch gespielt von Hauptfeldwebel Florian Weber. Der Applaus war entsprechend!

Und dann wieder Julius Fucík (Arr. Joachim Lepping), „Salve Imperator“ schallte es von vielen Instrumenten durch die Stadthalle. Das alte Rom schien mit dem Triumpfmarsch wieder aufzustehen. Dann wurde es schmusig: „Salute to American Jazz“ brachte im Arrangement von Sammy Nestico eine Verbeugung vor dem Jazz in Übersee. Da war „Summer-Time“ zu hören und viel Bekanntes, das Publikum spendierte Bravo-Rufe und viel Applaus. Und zum Ende gab´s dann noch Neues: Auf der Bühne wurde kurz umgebaut, ein Keyboard kam herein – der Keyboarder war der Orchesterchef selbst. Jetzt, so Kriner, käme die großartigste Rockband nach Freising, „Keen on Queen“ brachte in einem Arrangement Stücke von Mercury, May, Tailor und Deacon. „We are the champions“ erklang, man konnte „Bicycle“ fahren und etliches mehr in sich aufsaugen. Ein überwältigender Abschluss mit Soli von Oboe, Querflöte, Saxophon, Horn, Klarinette und natürlich Keyboard mit dem Chef an den Tasten. Das Publikum raste, der OB dankte und übergab ein Gastgeschenk, der Oberstleutnant versicherte: „Wir sind wieder da!“ Das Versprechen verstärkten Kriner und sein symphonisches Blasorchester mit dem bayerischen Marsch „Bayrisch Blau“, „weil ich ihn so gerne mag.“ Eine weitere Zugabe wurde erklatscht, sie drückte eine große Hoffnung aus, nämlich „dass bald alles wieder besser wird“, wie Kriner es ausdrückte. Am 24. Februar 2022 sei etwas Tragisches passiert, was man ab 1989 nicht mehr für möglich gehalten habe. Michael Jacksons „Heal the World“ erklang, beeindruckend und ergreifend und mit der dringenden Bitte: „Make a better World!“ Begeisterter Jubel dankte dem Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen und dessen Leiter Oberstleutnant Karl Kriner.