Volljährig – und doch erst am Anfang

12. August 2026 Bereich Nord Bereich Ost Bereich Süd Bereich West

Hilfe, die ankommt. Erinnerung, die bleibt.

Vor achtzehn Jahren wurde die Stiftung Bundeswehr-Sozialwerk gegründet. Bereits zuvor bestand mit der Torsten-Gauger-Stiftung eine unselbständige Stiftung, die dem Bundeswehr-Sozialwerk thematisch eng verbunden war. Die eigentliche Stiftungsgeschichte begann jedoch mit dem Entschluss, dem sozialen Engagement des Bundeswehr-Sozialwerks ein dauerhaftes Fundament zu geben.

Achtzehn Jahre sind kein klassisches Jubiläum. Im Leben eines Menschen markieren sie jedoch einen besonderen Moment: die Volljährigkeit, den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt. Vielleicht lohnt gerade deshalb auch für eine Stiftung der Blick zurück – und zugleich nach vorn.

Am Anfang stand der Mut. Niemand konnte damals wissen, ob aus einer guten Idee einmal eine Stiftung mit einem Vermögen von nahezu drei Millionen Euro werden würde. Vertrauen musste wachsen. Menschen mussten überzeugt werden, einen Teil ihres Vermögens nicht für sich selbst, sondern für andere einzusetzen. Dass dies gelungen ist, verdankt sich klugen Entscheidungen, großem Engagement – und auch einer glücklichen Fügung. Rund ein Fünftel des heutigen Stiftungskapitals stammt aus der Zustiftung einer einzigen, wohlgemerkt quicklebendigen, Person.

Das verweist auf eine Erfahrung, die weit über unsere Stiftung hinausreicht. Die Bertelsmann-Stifterstudie zeigt, dass Menschen selten zuerst über ihr Vermögen nachdenken. Am Anfang steht vielmehr der Wunsch, Gutes zu bewirken. Erst anschließend stellt sich die Frage, wie das eigene Vermögen diesem Ziel dienen kann. Oft sind es Ehepaare, vielfach konfessionell gebunden und zwischen sechzig und siebzig Jahre alt. Vieles davon begegnet uns auch in unserer eigenen Stiftergemeinschaft.

Die Stiftung Bundeswehr-Sozialwerk ist trotz ihrer Volljährigkeit noch jung. Seit ihrer Gründung konnten bereits rund 500.000 Euro für gemeinnützige Zwecke bereitgestellt werden. Für das Jahr 2026 werden es voraussichtlich etwa 33.000 Euro sein.

Man mag diese Zahl für überschaubar halten. Tatsächlich erzählt sie jedoch nur einen kleinen Teil der Geschichte. Hinter jeder Förderung stehen Menschen, deren Sorgen ein wenig kleiner geworden sind. Hilfe lässt sich nicht allein in Euro bemessen. Ihr eigentlicher Wert liegt darin, dass sie zur rechten Zeit kommt und einem Menschen zeigt: Du bist nicht allein.

Vielleicht ist genau dieses Wissen der eigentliche Ertrag einer Stiftung. Es verbindet diejenigen, die geben, mit denjenigen, die Hilfe erfahren. Aus einer Zustiftung wird so weit mehr als eine Vermögensübertragung – sie wird Ausdruck von Vertrauen und Verantwortung.

Dieses Gemeinschaftsgefühl prägt auch unsere jährlichen Stiftertage im Lindenhof in Brauneberg. Gewiss ließe sich der Veranstaltungsort wechseln. Doch warum sollte man einen Ort aufgeben, der über die Jahre ein Stück Heimat geworden ist? Der herzliche Empfang durch Frau Kühn und ihr Team, die Gespräche, das Wiedersehen und nicht zuletzt die Stiftertafel machen deutlich, dass Gemeinschaft immer auch einen Ort braucht.

Dieser Gedanke reicht inzwischen sogar über das eigene Leben hinaus. Viele Menschen, die die Stiftung Bundeswehr-Sozialwerk als Erbin einsetzen, wünschen sich, dass ihr Andenken bewahrt wird. Deshalb hat die Stiftung die Patenschaft für eine denkmalgeschützte Gruft auf dem Bad Godesberger Burgfriedhof übernommen. Die mehr als 150 Jahre alte Ruhestätte eines ehemaligen Eisenfabrikanten dient heute als gemeinsamer Ort des Gedenkens für Angehörige unserer Stifterfamilie.

So schließt sich ein Kreis. Eine Stiftung beginnt mit dem Vertrauen lebender Menschen. Sie wirkt für Menschen in Not. Und sie bewahrt zugleich die Erinnerung an jene, die dieses Wirken möglich gemacht haben. Dauer der Ruhefrist: ewig.

Text: Dr. Jan-Jasper Fast