Vergiss das Krönchen, richtige Prinzessinnen tragen einen Reithelm!

14. August 2025 Bereich Nord Bereich Ost Bereich Süd Bereich West

Und die Prinzen? Die natürlich auch, denn es ist ein oft bemühtes, aber unzutreffendes Klischee, dass nur Mädchen gerne reiten. Und das merkt man auch, wenn wieder eine Gruppe mit Kindern und Jugendlichen der Reitferien-Freizeit des BwSW erwartet wird: Die Jungen sind zwar (noch) in der Minderheit vertreten, aber auch sie finden regelmäßig den Weg zum Reiterhof Karduck.

Schon die Anfahrt ist ein kleines Abenteuer. Zuerst führt die Straße einen Berg ewig weit hinauf, um sich auf der anderen Seite dann wieder genauso lange hinunterzuschlängeln. Wenn man sich im Tal vielleicht gerade fragt, ob sich hier Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, dann ist man genau richtig – denn hier befindet sich das kleine Dörfchen Mimbach bei Anschau in der Eifel, wo die Reiterpension Karduck das Ziel ist.

Um es also gleich vorwegzunehmen: Hier geht es eher beschaulich und ländlich zu. Wer Großstadt-Vibe mit Glitzer und Glamour sucht, wird hier nicht fündig. Dafür gibt es aber eine gehörige Portion Pferdeabenteuer und von morgens bis abends Programm – (nicht nur) nach dem Motto „Mein Beziehungsstatus: Ich bin im Stall“.

Mindestens drei Stunden am Tag gibt es qualifizierten Reitunterricht für unterschiedliche Gruppen nach Erfahrungsniveau in der Reithalle oder auf dem Außenplatz. Die Ausritte in die nähere oder weitere Umgebung sind dabei ein tägliches Highlight. Wer mag, darf sich während des Aufenthalts auch selbst um sein Pflegepferd kümmern, den Stall ausmisten, für Futter sorgen, bürsten, striegeln usw.

Die Schulpferde sind gut ausgebildet und den Umgang mit Kindern gewohnt. Grundsätzlich wird die nötige Ausrüstung für das Reitvergnügen zur Verfügung gestellt. Wer aber schon über eine eige­­­ne Ausstattung verfügt, darf diese selbstverständlich mitbringen.

Wer sogar ein eigenes Pferd besitzt, kann dies ebenfalls im Stall unterbringen. So wie Sarah aus Trier, die im zarten Alter von fast 8 Jahren das erste Mal an einer Reitfreizeit des BwSW teilnahm. Das Reitfieber ließ sie nicht mehr los, sie kam jedes Jahr wieder, irgendwann auch gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester. Bis sie 16 Jahre alt wurde, waren diese Ferien ihr Highlight jeden Jahres. Dann war für sie jedoch erst einmal Schluss, denn die Reitfreizeiten werden nur für Kinder im Alter von 8 bis 16 Jahren angeboten. Tatsächlich kehrte sie ein Jahr später aber als Praktikantin zurück. Schließlich sattelte sie im wahrsten Sinne des Wortes um, kam mit 18 Jahren als Betreuerin wieder – und mit Pontifex, ihrem eigenen Pferd.

Es klingt wie ein wahr gewordenes Märchen, aber tatsächlich sind viele so begeistert von den Reiterferien, dass sie immer wieder daran teilnehmen und manchmal auch Geschwister und Freunde mitbringen. So bildet sich jedes Jahr von Neuem eine wunderbare Gemeinschaft und manchmal werden daraus sogar lebenslange Freundschaften­­­­­­­­. Sarahs Motivation als Betreuerin ist natürlich vor allem ihre eigene, positive Erfahrung aus ihrer Kindheit und Jugend. Zudem hat sie von Trier bis Mimbach keine weite Anfahrt.

Für Mirko, der die Reitfreizeit des BwSW hier leitet, ist die Anreise von der Ostsee schon fast eine Tagesreise, aber der regionale Unterschied von der See zur Eifel hat auch einen gewissen Reiz. Und so wird er kein Jahr müde, sich wieder hierher auf den Weg zu machen. Im echten Leben arbeitet er bei einer Behörde. Seine Chefin hat erkannt, wie wichtig ehrenamtliche Tätigkeit ist, und stellt ihn darum jedes Jahr frei. Für ihn steht im Vordergrund, dass er mit seinem Engagement wesentlich dazu beitragen kann, Kindern und Jugendlichen, die ansonsten vielleicht nicht die Möglichkeit hätten, mit viel Spaß und Humor schöne Ferien zu vermitteln.

Als leitender Betreuer überblickt Mirko aber auch das große Ganze und denkt an den wachsenden Bedarf an Nachwuchs unter den Betreuenden. Denn – die Reitfreizeiten sind so beliebt, dass von derzeit drei Freizeiten pro Jahr ab nächstem Jahr vier Freizeiten angeboten werden: einmal Ostern, zweimal im Sommer und einmal im Herbst.
Hierbei betont er, dass sich eine ehrenamtliche Tätigkeit nicht nur im wohltätigen Sinne lohnt, sondern auch von offizieller Seite und vom BwSW unterstützt wird. So kann es, je nach Arbeitgeber und Bundesland, auf Antrag Sonderurlaub geben. Das Sozialwerk gewährt darüber hinaus eine angemessene Aufwandsentschädigung für eine „normale“ Betreuertätigkeit von zurzeit 27 Euro pro Tag. Dazu kommen noch freie Kost und Logis sowie Erstattung der angefallenen Reisekosten zum bzw. vom Abreiseort nach den Richtlinien des Bundesreisekostengesetzes. 

Außerdem finden für alle Betreuenden einmal pro Jahr Schulungen und Erste-Hilfe-Kurse statt. In Teamsitzungen wird das Freizeit-Programm gemeinsam entwickelt. Keiner ist also sich selbst überlassen und wird ins kalte Wasser geworfen. Die Erfahrungen und Kompetenzen, die man hier erwirbt, können auch in anderen Lebensbereichen und Berufsfeldern für einen selbst förderlich sein.

Über den Hof zieht mittlerweile ein angenehmer Duft nach herzhaftem Mittagessen. Hier kocht der Chef persönlich täglich frisch für die jungen Feriengäste und nimmt dabei auch auf besondere Ernährungswünsche Rücksicht. Danach kehrt erst einmal Mittagsruhe ein, bevor es dann weitergeht im vielseitigen Programm. Denn neben dem Reitunterricht werden auch In- und Outdoor-Aktivitäten angeboten, so dass niemals Langeweile aufkommt – egal wie das Wetter ist. Und spätestens nach zwei Wochen Ferien in diesem idyllischen Tal mitten in der Eifel, kann man die „Welt da draußen“ schon mal fast vergessen – das ist wohl ziemlich sicher.  

Text: Sabine Krämer-Uhl