Piratenschiff auf Kurs

02. September 2019 News Bereich West Freizeitberichte Berichte

Seeräuber erobern die Eifel

Vom 4. bis 23. August 2019 haben 29 Kinder und Jugendliche mit körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigungen mit ihren Betreuern als Piraten die Eifel unsicher gemacht und gemeinsame Abenteuer erlebt. Traditionell untergebracht war die Gruppe im Haus des Jugendrotkreuzes in Bad Münstereifel.

Mit einem Besuch der Therapiehunde vom Birkenhof e.V. startete die dreiwöchige Freizeit. Neben den Huskys und einer großen italienischen Dogge war als Überraschung ein Chihuahua Welpe dabei. Es wurde gestreichelt, geschmust, gefüttert, Parcours gelaufen und zum Schluss gab es einen gemeinsamen Spaziergang durch den schattigen Wald. Bei solch einem Freizeitbeginn kam kein Heimweh auf.

Der erste Tagesausflug führte in den Kölner Zoo, wo sie viel Spaß hatten und viele Tiere bestaunt wurden. Tags darauf besuchten sie die „Venn-Lamas“ in Simmerath und lernten viel über Lamas und Alpakas, fütterten sie und gingen mit ihnen spazieren.

Ein Novum in diesem Jahr war die Möglichkeit, das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Beeinträchtigungen abzulegen. Im hauseigenen Schwimmbad wurde der Schwimmtest absolviert. In der Konrad-Adenauer-Kaserne in Köln wurden, je nach Beeinträchtigung, die anderen Disziplinen geprüft. Dieser Programmpunkt war für alle Beteiligten eine besondere Erfahrung. Für die Freizeit im nächsten Jahr ist geplant, das Ablegen des Deutschen Sportabzeichens für alle Teilnehmer – auch Betreuer – abermals anzubieten.

In den nächsten Tagen stand der Besuch der Freilichtbühne in Schuld auf dem Programm, wo das Stück „Pinocchio“ in beeindruckender Weise aufgeführt wurde. Und wie es sich für echte Piraten gehört, wurde eine große Piratentaufe mit Schatzsuche durchgeführt. Am Sonntag war dann erstmal lange ausschlafen angesagt und mit einem ausgiebigen Brunch in den Tag gestartet. Eine Wanderung über den barrierefreien „Wilder Kermeter“-Weg im Nationalpark Eifel führte in tiefe Wälder mit fantastischen Ausblicken auf Stauseen. Am nächsten Tag überraschte und verzauberte der ehemalige Betreuer Hajo mit einer tollen Zaubershow die Freizeitteilnehmer.

Nach dem traditionellen Besuchertag, über den schon im Internet berichtet wurde, besuchte die Gruppe einen ganzen Tag die Diensthundeschule der Bundeswehr in Ulmen.

Vor dem großen Highlight der Freizeit, dem Besuch der Motorradgruppe „Deathfield Brothers“, wurde in Ausflügen Euskirchen und Bad Münstereifel erkundet. Auch ein Beauty-Nachmittag und eine Disco wurden organisiert. Dann war es soweit: Von vielen sehnsüchtig erwartet und aufgrund der lauten Motoren früher zu hören als zu sehen, rollten die „Deathfield Brothers“ an. Trotz des verregneten und teils stürmischen Wetters kamen sie mit mehr als 40 Motorrädern und drei Autos zu Besuch. Wie schon in der Vergangenheit, durften alle Teilnehmer mit den Motorrädern oder den Autos ihre Runden drehen. Ein Motorradfahrer war als Schildkröte verkleidet und sorgte für großen Spaß. Das Leuchten in den Augen war bei den Teilnehmern und auch den "harten" Jungs deutlich zu sehen. Dieser nunmehr schon fünfte Besuch der „Deathfield Brothers“ auf dieser Freizeit wird nicht der letzte gewesen sein. Sie versprachen, auch im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.

Auch die letzte Freizeitwoche war voller interessanter Programm- und Höhepunkte. So besuchten die Kinder und Jugendlichen unter anderem den Eifelpark in Gondorf. Im Wildpark bestaunten sie Wölfe und Luchse, hatten Spaß auf der Sommerrodel- und Wildwasserbahn oder kuschelten mit den Tieren im Streichelzoo.

Bei strahlendem Sonnenschein begann der Tagesausflug im „Taktischen Luftwaffengeschwader 31“ in Nörvenich mit dem Besuch „schwerer Maschinen“. Der gesamte Fuhrpark mit Kehrmaschine, Bulldozer, Tank-LKW, Hebekran, Müllauto und vieles mehr standen bereit. Zur Begrüßung präsentierte Regionalstellenleiter Klaus Breiden eine Überraschung: Neben der aus den vergangenen Jahren bekannten Bimmelbahn stand ein Traktor mit Planwagenanhänger zur Verfügung. Urmel, das kuschelige Maskottchen der Eishockey National Mannschaft, war ebenfalls wieder mit von der Partie. Gemeinsam mit den Teilnehmern machte es Fotos und drehte mit der Bimmelbahn und dem Traktor mehrere Runden über den Stützpunkt.

Für Abkühlung mit Wasser aus den Feuerlöschfahrzeugen und Feuerwehrschläuchen sorgte nachmittags die Flughafen-Feuerwehr und auch ein stärkendes Eis für alle Piraten fand großen Anklang. Eine außerplanmäßige Überraschung erlebten dann die Kinder und Jugendlichen: Aus nächster Nähe beobachteten sie Lande- und Startübungen des fliegenden Radarsystems AWACS und den Start von vier Eurofighter. Ein Hubschrauber der Bundespolizei, der gerade Übungen absolvierte, drehte eine extra Runde für die Eifelpiraten.

Für den Organisator dieses unvergesslichen Tages, Regionalstellenleiter Hauptmann Klaus Breiden, hatte Chefbetreuerin Marion Gerber auch eine Überraschung im Gepäck. In Anwesenheit von Geschwaderkommodore Oberstleutnant Danilo Schlag verlieh sie ihm im Namen des Bereichsvorstands West für seine Verdienste um das Bundeswehr-Sozialwerk die Ehrennadel in Bronze. Die Freizeitteilnehmer erhielten als Erinnerung an drei erlebnisreiche Wochen einen Rucksack mit der Freizeitzeitung und einen Foto-Stick mit dem Film der Freizeit.

Auch in diesem Jahr haben die Teilnehmer und Betreuer wieder an andere hilfsbedürftige Menschen gedacht. Sie nahmen an der Aktion „500 Deckel für ein Leben ohne Kinderlähmung“ teil und sammelten die Plastikdeckel ihrer Getränkeflaschen. Durch den Verkauf dieser Deckel an eine Recyclingfirma kann mit 500 Deckeln eine lebenswichtige Polio-Impfung bezahlt werden.

Wenn auch die gemeinsamen Tage für viele Betreuer oft anstrengend und herausfordernd waren, so haben doch der Spaß, die Ausflüge, die Erfahrungen und vor allem das Lachen der Kinder und Jugendlichen, die vielen Tränen zum Abschied und das Dankeschön der Eltern bei der Abholung alles aufgewogen.

Die Freizeitleiterin Marion Gerber und ihr Stellvertreter Jürgen Engelschalk bedanken sich ganz herzlich bei ihrem super tollen Team für den fantastischen Einsatz sowie bei allen Teilnehmern für unvergessliche drei Wochen und hoffen auf ein Wiedersehen 2020.