„Nachgefragt…“ bei Marco Froitzheim
Der Wagen fährt … und fährt … und fährt
Ohne Zweifel – die Automobilindustrie befindet sich im Umbruch. Nicht nur die Umstellung vom Verbrenner zum E-Auto, auch die „persönliche“ Beziehung zum eigenen Wagen wird sich angesichts zunehmender Car-Sharing Angebote wohl langsam aber sicher wandeln.
Noch ist es aber nicht so weit. Noch gilt die Anschaffung des ersten eigenen Gefährts als ein besonderer Moment – selbst wenn es sich um ein ziemlich altersschwaches Objekt mit mehr oder weniger deutlichen Schwächen handelt. Hauptsache, es fährt und bringt einen sicher von A nach B – und – es kostet nicht viel. Denn der Anfang der eigenen Mobilität fällt zeitlich meist mit Ausbildung, Studium oder Berufsstart zusammen – kurzum mit dem Grundstein zur beruflichen Karriere. Das Budget für die Anschaffung eines Autos ist also oft noch sehr knapp bemessen.
Nun liegt es aber fast in der Natur der Sache, dass ein altersschwaches Auto eher zu Ausfällen neigt als ein neues. Jedenfalls musste Marco Froitzheim diese Erfahrung gleich sehr gründlich machen, als sein erster Wagen mit einem Motorschaden zum Totalausfall wurde. Für ihn war es mit einer einfachen Neuanschaffung nicht getan, denn Marco Froitzheim leidet seit seiner Geburt an einer rechtsseitigen, spastischen Lähmung. Dabei handelt es sich um eine krankhaft erhöhte Muskelspannung, die durch eine Schädigung des zentralen Nervensystems verursacht wird – in seinem Fall durch Komplikationen bei der Geburt. Zwei Mal wurde er am Fuß operiert, um eine sich immer ausgeprägter entwickelnde Fehlstellung während des Wachstums zu korrigieren. Die Bewegung seines rechten Arms und des rechten Beins sind durch die Spastik beeinträchtigt. Das heißt, ein neues Auto muss speziell umgerüstet werden, damit er ungehindert fahren kann und darf. Auf das Lenkrad muss ein Bedien- bzw. Steuerelement montiert werden, das die Auslösung von Blinker, Scheibenwischer, Hupe usw. per Knopfdruck ermöglicht und ihm das Lenken erleichtert.
Das alles ist mit zusätzlichen Kosten mindestens im mittleren, vierstelligen Bereich verbunden. Die Investition macht also bei einem alten Gebrauchtwagen keinen Sinn, und so ist die finanzielle Hürde für ein Auto in diesem Fall insgesamt besonders hoch. Zudem befand sich Marco Froitzheim zum Zeitpunkt, als sein alter Wagen schlappmachte, noch in der Ausbildung, und im Hinblick auf die bevorstehende Familiengründung mit seiner Ehefrau sollte der Wagen kein Kleinwagen, sondern direkt familientauglich sein. Die Gesamtinvestition gestaltete sich auf diese Weise als ein ziemlich saurer Apfel, in den er da in jungen Jahren beißen musste.
Das Bundeswehr-Sozialwerk erfuhr damals von seiner Situation und half mit einem Zuschuss von 3.000 Euro schnell und unbürokratisch. Seitdem sind mehr als fünf Jahre vergangen, und wir haben nun nachgefragt, wie es Marco Froitzheim mittlerweile ergangen ist.
Seine Ausbildung hat er erfolgreich abgeschlossen, er ist mittlerweile Bürosachbearbeiter im Bundesministerium der Verteidigung, Abteilung Personalmanagement. Zum Termin um 10 Uhr morgens kommt er gut gelaunt direkt von der Kita, in die er auf dem Weg zum Büro seinen kleinen Sohn gebracht hat. Da hat er von 6 bis 9 Uhr schon drei Stunden im Homeoffice gearbeitet.
Tatsächlich fährt der Wagen, zu dem Marco Froitzheim die Förderung für die Umrüstung erhalten hat, nach wie vor zuverlässig und pannenfrei. Bis heute ist er dankbar für die Unterstützung, denn mit der Vergrößerung der Familie wachsen nicht nur die Freuden und Aufgaben, sondern auch die Investitionen. Mittlerweile gibt es sogar einen Zweitwagen in der Familie. Das erleichtert das stramme Familienmanagement, denn seine Frau ist seit Jahresbeginn ebenfalls wieder berufstätig.
Der Alltag im Hause Froitzheim hat sich durch die Familiengründung also gewandelt. Vor fünf Jahren war Marco Froitzheim ehrenamtlich als Jugendtrainer im örtlichen Fußballverein tätig. Das bedeutete, nach Feierabend und am Wochenende – also sieben Tage in der Woche – neben dem Training die üblichen Vereinsaufgaben zu erfüllen, beispielsweise Terminpläne zu erstellen oder Elterngespräche zu führen. Die Arbeit bzw. Beschäftigung mit Kindern und Jugendlichen erfüllt ihn bis heute sehr. Den dafür erforderlichen Zeitaufwand kann er jedoch neben Beruf, Familie und der Physiotherapie, die er regelmäßig aufgrund der Spastik absolvieren muss, momentan nicht leisten.
Immerhin bleiben ihm aber kleine Zeitfenster, um selbst Sport zu treiben. Und so trainiert er gerade für den örtlichen Halbmarathon. Bereits zwei Mal hat er auch am MEGA Marsch teilgenommen – eine Challenge, deren Zielsetzung die Bewältigung von 50 km in 12 Stunden ist. Eine Leistung, die angesichts seiner Beeinträchtigung eine ganz besondere ist. Sport ist sein Hobby, und dass dies möglich ist, hat er nach eigenen Worten u.a. seiner Mutter zu verdanken, die ihn stets darin gefördert hat.
Aus dieser positiven Erfahrung heraus macht er sich bereits jetzt verantwortungsvoll Gedanken über das Heranwachsen seines kleinen Sohnes. Seine Frau und er sind gespannt, welche Neigungen er entwickeln wird und werden ihn dann selbstverständlich darin bestärken, so wie sie es selbst erlebt haben.
Wir freuen uns, Marco Froitzheim vor fünf Jahren eine große finanzielle Last etwas geschmälert zu haben, und dass damit indirekt auch der Start in den Beruf und das Familienleben ein kleines bisschen erleichtert wurde. Wir wünschen Marco Froitzheim und seiner Familie von Herzen alles Gute – und dass der umgerüstete Wagen noch lange rollt.
Text: Sabine Krämer-Uhl

