Heino – kein Schlagerstar, aber ein Hit in den Niederlanden!
„Unser“ Heino mit seinen weißblonden Haaren und dunkler Sonnenbrille als Markenzeichen hat zweifellos auch in den Niederlanden eine große Fangemeinde. Dennoch denken die Niederländer, wenn sie von „Heino“ sprechen, vor allem an ein 7.000 Einwohner zählendes Dorf in der Provinz Overijssel im Norden der Niederlande. Bereits 1236 wurde Heino in einer Urkunde des Bischofs von Utrecht erwähnt: ter Heyne, was so viel wie eingezäuntes Waldgebiet bedeutet.
Und tatsächlich – als wir nach vier Stunden Autofahrt in der legendären Hitze dieses Sommers – unser Ziel, das Summer Camp in Heino, erreichen, atmen wir erleichtert auf: Ein riesiges Wald- und Wiesengelände erwartet uns. Es bietet bei diesen heißen Temperaturen angenehmen Schatten unter Bäumen, einen See zum Baden oder Kanufahren und eine leichte Brise vom Ijsselmeer, das von hier aus nur noch knapp 70 km entfernt ist. Ein idealer Ort für ein Summer Camp also.
Für die diesjährige Ferienfreizeit des Bundeswehr-Sozialwerks könnte – meteorologisch betrachtet – das Timing nicht besser sein. Chefbetreuer Steven erwartet uns darum auch schon gut gelaunt. Das Programm mit Outdoor-Aktivitäten ist bei so fantastischem Sommerwetter fast ein Selbstläufer. Heute sind die Kinder und Jugendlichen zwischen 9 und 16 Jahren beispielsweise fast den ganzen Tag am See. Dort treffen wir sie nach 10 Minuten Fußweg über idyllische Waldwege, vorbei an einem Wildtiergehege an. Die Gruppe erwartet bereits freudig den Mittags-Imbiss. Damit dieser unter freiem Himmel wie ein Picknick genossen werden kann, haben die Betreuenden extra alles Notwendige hierher an den See gebracht. Bei Heranwachsenden mit notorisch unstillbarem Hunger ist das allein aufgrund der zu transportierenden Menge fast ein Kraftakt und darum vor allem ein Zeichen für das Engagement des Teams, den jungen Teilnehmenden tolle Ferien zu ermöglichen. Sie scheuen dabei wirklich keine Mühe.
Im Gespräch mit Chefbetreuer Steven wird dann auch schnell deutlich, dass es sich hier um eine ganz besondere Gemeinschaft handelt. Allein drei der anwesenden Betreuenden kennen sich seit vielen Jahren, stammen aus derselben Bundeswehreinheit, so dass sie auch freundschaftlich stark verbunden sind. Neben den obligatorischen Vorbereitungs-Treffen für sämtliche Betreuenden der Freizeiten des Bundeswehr-Sozialwerks treffen sie sich privat sogar zusätzlich zu Nachbereitungstreffen, um dabei die Erfahrungen der vergangenen Freizeit für die kommende auszutauschen. Es ist wohl nicht übertrieben, zu behaupten, dass im Laufe der Jahre daraus ein perfektes Team gewachsen ist.
Steven ist seit 2012 fast ununterbrochen jährlich dabei. Nur kurz nach der Geburt seiner Tochter Peaches und während er insgesamt drei Mal im Einsatz in Afghanistan war, stand er als Betreuer nicht zur Verfügung. Für die Freizeit stellte er in den ersten Jahren als Zeitsoldat jedes Mal einen Antrag auf Sonderurlaub, der auch ausnahmslos genehmigt wurde. Mittlerweile ist er selbstständiger Geschäftsführer einer Firma, die Ingenieursdienstleistungen anbietet. Jetzt halten ihm sein Geschäftspartner und 17 Angestellte den Rücken frei, wenn er während des zweiwöchigen Camps in Heino „im Einsatz“ ist. Hier wird deutlich – es gehört die Unterstützung auch von jenen dazu, die im Hintergrund eher indirekt agieren, damit so eine Freizeit erfolgreich durchgeführt werden kann. Steven betont, dass er Verständnis dafür hat, wenn gerade kleinere Unternehmen allein aus wirtschaftlichen Gründen ihren Angestellten nicht über die gesamte Zeit bezahlten Urlaub gewähren können. Aber selbst zwei, drei Tage, die nicht vom privaten Urlaubskontingent investiert werden müssen, sind schon eine große Unterstützung und helfen womöglich bei der Entscheidung, sich ehrenamtlich zu engagieren.
Denn – auch wenn die Betreuenden in Heino mittlerweile eine eingeschworene Gemeinschaft bilden – je mehr Helfer zur Verfügung stehen, umso mehr Kindern kann so eine Freizeit ermöglicht werden. Neue Betreuende bringen einerseits frische Ideen mit und können andererseits von den Erfahrungen der „alten“ profitieren. Ein lebhafter Austausch bedeutet Fortschritt, von dem wiederum sämtliche Beteiligten profitieren.
Und – das Engagement der Betreuenden ist alles andere als eine Einbahnstraße. Diese Freizeiten sind im zwischenmenschlichen und generationenübergreifenden Miteinander eine Bereicherung, wo Geben und Nehmen auf natürliche Weise im ausgewogenen Verhältnis stehen.
Das steht und fällt u.a. auch mit einem interessanten Programm und fängt mit hilfreichem Equipment an, das für die Unternehmungen und Veranstaltungen großzügig zur Verfügung gestellt und von den Heimatstandorten mitgebracht wird. Das sind dieses Jahr beispielsweise Beamer, Leinwand und Tarnnetze. Das mittägliche Picknick am See heute wäre ohne die Bereitstellung von Thermoporten (professionelle Wärmebehälter) gar nicht möglich gewesen.
Die Freizeitmöglichkeiten speziell auf dem Gelände des Summer Camp in Heino sind aber auch ohne dieses zusätzliche Equipment schon ziemlich beeindruckend. Rund um den See gibt es zahlreiche Stationen, die verschiedene Attraktionen bieten. Dazu gehören die sagenhafte „Woodland“ Minigolf-Adventure-Anlage, die ihrem Namen alle Ehre macht, ein separater Platz zum Bogenschießen, ein GPS Labyrinth und schließlich ein Kletterpark. Hier verbringen wir gemeinsam mit der Gruppe den Nachmittag. Die Zeit vergeht wie im Flug, als die Teilnehmenden an Kletterwänden in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden sowie auf einem Klettergerüst unter professioneller Anleitung ein Gefühl für Höhe, Kraft und Trittsicherheit entwickeln können. Es geht dabei nicht um Ehrgeiz, sondern vor allem um das gemeinsame Vergnügen. Die, die „in der Wand hängen“, bekommen von denen, die unten stehen, durch Zurufe Tipps, wo sie Halt finden, und die, die es bis oben schaffen, erhalten begeisterten Applaus. Egal, wie hoch man es schafft, Hauptsache ist, man hat es mal probiert. Jeden Tag ist etwas Besonderes geplant. So stehen noch Floßbau, Klettern im Hochseilgarten, Kanufahren und eine Fahrt im Cabrio-Bus auf dem Programm. Ist das Wetter mal nicht so überragend, geht es in den überdachten Pool, ins hauseigene Kino oder in die Turnhalle. Langeweile ist hier garantiert ein Fremdwort. Obwohl auch Ausflüge in die nähere Umgebung vorgesehen sind, braucht man eigentlich gar nicht vom Gelände – so viel wird hier geboten.
Als wir uns am späten Nachmittag auf den Rückweg zum Auto machen, begleitet uns Navina, die schon seit ihrer Studienzeit als Betreuerin hierherkommt. Sie möchte uns noch im sogenannten „Dorf“ – wo sich die Unterkünfte, das Kino, das Schwimmbad, die Turnhalle und ein kleiner Laden befinden – den Speisesaal zeigen. Was wir allerdings zu unserem großen Erstaunen tatsächlich vorfinden, ist ein „Restaurant“. Mit sehr viel Liebe zum Detail wurde der Raum ganz authentisch wie ein amerikanisches Restaurant eingerichtet. Hier begegnen sich jeden Abend sämtliche Ferien-Gruppen aus den unterschiedlichsten Ländern, die ansonsten in separaten Häusern untergebracht sind, und können sich über die Erlebnisse des Tages austauschen.
Direkt nebenan befindet sich ein ganz neu angelegter Schwarzlicht-Minigolfplatz. Dort wird unsere Gruppe vom Bundeswehr-Sozialwerk heute – nach dem Pizza-Essen – den Tag ausklingen lassen. Wir haben dann schon längst die Rückfahrt angetreten und lassen den Tag Revue passieren, der selbst für uns als Außenstehende ein echtes Erlebnis war. Denn das Summer Camp Heino ist tatsächlich ein ganz besonderer Ort - um nicht zu sagen, eine fantastische Welt für sich. Wir können uns gut vorstellen, dass die Kinder und Jugendlichen hier für zwei Wochen den Alltag, die Schule, all die großen und kleinen Sorgen hinter sich lassen und wunderbare, unvergessliche Ferien erleben können. Und das nicht nur, aber doch ganz wesentlich auch deshalb, weil die Betreuenden sich jedes Jahr wieder zu einer herausragenden Gemeinschaft zusammenfinden und auf diese Weise für einen tollen Vibe sorgen.
Das Summer Camp in Heino ist nur eines von zahlreichen Angeboten – national und international – das regelmäßig von uns, dem Bundeswehr-Sozialwerk, für Kinder und Jugendliche angeboten wird. Die Bandbreite der Freizeitschwerpunkte wie Reiten, Kanufahren, Angeln, Wasser- und Wintersport ist so vielseitig wie die Reiseziele in den Niederlanden, Belgien, Österreich, Italien und Kroatien. Nach Großbritannien (Cornwall und London sowie Bath), Spanien (Barcelona) und Malta (St. Julian‘s) führen außerdem verschiedene Sprachreisen.
Ein Blick in das aktuelle Freizeitprogramm des Bundeswehr-Sozialwerks zeigt: Für jede Altersgruppe und jeden Geschmack lässt sich hier das perfekte Ferienabenteuer finden.
Text: Sabine Krämer-Uhl













