Fest im Sattel von Rostock nach Köln

12. Juni 2024 Bundeswehr-Sozialwerk Bereich Nord Bereich Ost Bereich Süd Bereich West Dienststellen Sonstige Gelegenheiten Berichte Spendenaktionen

Die Flugbereitschaft BMVg radelte für den guten Zweck

Sieben Stunden schlägt das Navi für eine Autofahrt von Rostock nach Köln vor. Die Flugbereitschaft fährt die Strecke mit dem Fahrrad in sieben Etappen. Auf 830 Kilometern werden elf Standorte der Bundeswehr angefahren, um auf die Situation von Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen aufmerksam zu machen. Alle gesammelten Spenden kommen der „Aktion Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien des BwSW“ zugute. Dafür lohnt sich jeder Tritt in die Pedale.

Zum mittlerweile 8. Mal nimmt sich die Flugbereitschaft BMVg dieser Aufgabe an. Seit 2017 wurden auf diesem Wege insgesamt über 100.000 Euro gesammelt. Die Spendenradtour ist zur Institution geworden. Doch nur die Tour mit all ihren Fahrern und Unterstützern wäre nichts ohne die große Spendenbereitschaft der Soldatinnen und Soldaten. Freiwillig spenden sie vorab an den angefahrenen Standorten, wo diese gesammelt bei Ankunft des Fahrerfelds übergeben werden. Worte können nicht wiedergeben, welches Gefühl eine so beherzte Resonanz und Hingabe im Fahrerfeld nach allen Strapazen auslöst. Jeder Kilometer gegen den Wind, jeder Platten, jedes Schlagloch ist in diesem Moment auf den teils weit über 100 Kilometern langen Etappen vergessen.

Startschuss in Rostock (Video)

Startschuss in Rostock bei der Marine

Der „Startschuss“ zur diesjährigen Tour fiel am 4. Juni am Pier der Marine im 1. Korvettengeschwader in Rostock-Warnemünde standesgemäß aus. Mit dem lautstark ertönenden „Typhon“ genannten Signalhorn der Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ wurde das Fahrerfeld mit maritimem Flair auf die Strecke geschickt. Zuvor sammelten sie bereits erste Spenden vom Standort und vom ebenfalls ortsansässigen Marinekommando ein. Eine weitere Spende folgte beim Zwischenstopp am Fliegerhorst Laage. 

Insgesamt 155 Kilometer später ging die erste Etappe beim Stab der Panzergrenadierbrigade 41 in Neubrandenburg zu Ende, wo ein weiterer Spendenscheck wartete. Der erste Tag alleine war bereits ein voller Erfolg.

Konzentration und Durchhaltewillen bedingen einander

Neben dem Küstenwind warten auf die Fahrerinnen und Fahrer bei dieser Tour weitere Herausforderungen. Vom Berliner Stadtverkehr bis hin zu den einen oder anderen Erhebungen des Ruhrpotts werden einige Unwägbarkeiten und Hürden auf das Peloton warten. Das erfordert körperliche Leistungsfähigkeit und Willen, aber auch Konzentration und Durchhaltefähigkeit. „Wir sind alle Hobbysportler“, sagt Stabsfeldwebel Andreas Bader dazu, der das Fahrerfeld anführt. Für ihn gilt hier der gleiche Grundsatz wie beim militärischen Führen: Mit Vorbild voran! So sieht man ihn die meiste Zeit vorne im Wind zusammen mit Hauptmann Max. Ein eingespieltes Team mit großem Ziel, bei dem der Grund dieser Spendenradtour immer im Vordergrund steht.

Die "Berlinetappe" (Video)

Ein Tag – vier Dienststellen

Nach Neubrandenburg stand nun mit 167 km die Königsetappe der Tour nach Berlin an, wo am Folgetag auf der so genannten “Berlinetappe” vier militärische Dienststellen angefahren wurden. Knapp 140 km wurden dabei in der Hauptstadt absolviert. Beim Planungsamt der Bundeswehr, dem Territorialen Führungskommando der Bundeswehr, dem Kommando Luftwaffe und in Potsdam beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr gab’s „dicke“ Spendenschecks.

Zehntausende Bürgerinnen und Bürger begrüßen die Spendenradtour in Faßberg

Havelberg war Ziel des nächsten Tages. Das dort beheimatete Panzerpionierbataillon 803 erreichten die 14 Radsportler glücklich und zufrieden nach rund 157 km. Hier wurde ihnen ebenfalls ein Spendenscheck übergeben.

Der Stellv. Bereichsgeschäftsführer Nord, Oberstabsfeldwebel Ingo Evers (li.) im Interview (Video)

Hinter jedem Projekt steht ein unsichtbares Team

Im Hintergrund hingegen stehen die Soldatinnen und Soldaten, die meist unter dem Radar bleiben. Schließlich ist ein Projekt wie diese Spendenradtour ohne technische Betreuung oder Versorgung nicht möglich. Vom Koch bis zum Fahrer des Begleitfahrzeugs leisten alle ihren Beitrag für den guten Zweck. Angeführt von Oberstabsfeldwebel Hans Holzmann verrichten sie geräuschlos ihren Dienst. „Die Unterstützung geistig und/oder körperlich beeinträchtigter Menschen ist ein gesamtgesellschaftliches Thema“, sagt Oberstabsfeldwebel Hans Holzmann dazu. „Inklusion betrifft uns vielleicht nicht alle persönlich, aber es geht uns alle an. Dafür wollen wir alle unseren Beitrag leisten“, fasst er den Grund aller Anstrengungen zusammen. Der Schirmherr der Tour, Generalmajor Wolfgang Ohl, Abteilungsleiter Militärstrategie, Einsatz und Operationen im Bundesverteidigungsministerium, bewertet es ähnlich. „Nur der Teamgedanke kann dieses Vorhaben tragen. Dieses Jahr trägt er uns über 830 Kilometer durch Deutschland.“

Bericht aus Hilden (Video)

Das Ziel zum Greifen nah

Auf ihrer 6. und vorletzten Etappe der Spendenradtour der Flugbereitschaft BMVg erreichten die Fahrerinnen und Fahrer die Stadt Hilden – Heimat des Feldjägerregiments 2.

Mehr als 700 Kilometer hatten sie seit ihrem Start in Rostock bereits absolviert und das Ziel in Köln war zum Greifen nahe. Doch zuvor stand noch ein Termin beim Bürgermeister an, um sich gemeinsam im Buch der Stadt einzutragen.

Beim Empfang in der Innenstadt standen Bürgerinnen, Bürger und Militär Seite an Seite für den guten Zweck ein. Die Spendenradtour sammelte für die „Aktion Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien des BwSW“ und machte auf die Situation von Menschen mit geistig und/oder körperlichen Beeinträchtigungen aufmerksam. Das Feldjägerregiment 2 übernahm hier federführend die Initiative und machte diese gesamtgesellschaftliche Würdigung erst möglich. Dieser einzigartige Empfang bleibt in Erinnerung und bewegt.

Auch der Standort Hilden hatte für die „Sorgenkinder“ gespendet. Der Kommandeur des Feldjägerregiments 2, Oberst Thorsten Böer, überreichte die Spende an den Kommandeur der Flugbereitschaft BMVg, Oberst Stefan Schippke. Letzterer hatte es sich nicht nehmen lassen, an diesem Tage selber mit seinem Team in die Pedale zu treten. Auch Generalmajor Dr. Jan Kuebarth, Chef vom Luftfahrtamt der Bundeswehr, startete ebenso wie Generalmajor Richard Frevel aus dem Kommando Luftwaffe im Fahrerfeld.
Die Spendenradtour verbindet über Dienstgrade und Teilstreitkräfte hinweg. Deswegen gilt immer: „Keine Gnade für die Wade und alles für den guten Zweck!“

Schlussspurt mit Regendusche

Nach über 800 km quer durchs Land und einer insbesondere für die Waden anspruchsvollen Woche war es dann am 11. Juni endlich soweit: Die Radfahrerinnen und Radfahrer bestritten, in Begleitung von Generalmajor Richard Frevel, Chef des Stabes Luftwaffentruppenkommando, ihre letzte Etappe in Richtung Köln-Wahn. Unter lautem Beifall erreichte das gesamte Team wohlbehalten die Luftwaffenkaserne Wahn und wurde dort direkt mit einer kleinen Abkühlung begrüßt – erst in Form einer Regendusche durch die Feuerwehr und anschließend mit einem wohlverdienten, alkoholfreien Hefeweizen.

Text: Hauke Meier und BwSw, Bilder: Saskia Meike, Videos: Hauke Meier