Einblicke in eine besondere Freizeit

27. August 2026 Bereich Nord Bereich Ost Bereich Süd Bereich West

Ereignisreicher Besuchertag in Eben im Pongau

Auch 2026 fand im Rahmen der Freizeit für Menschen mit Beeinträchtigungen ein Besuchstag im österreichischen Eben im Pongau statt. Die Veranstaltung am 12. August bot Fördernden und Unterstützenden die Gelegenheit, einen persönlichen Einblick in diese besondere Freizeit zu erhalten.

Der Bereichsvorsitzende Süd des Bundeswehr-Sozialwerks (BwSW), Oberstleutnant Wolfgang Schwörer, hieß zusammen mit Chefbetreuerin Cornelia Heier zahlreiche Gäste willkommen. Zusammen mit dem Besitzer des familiengeführten Jugendgästehauses Lindenhof, Josef Kirchner, begleitete er seine Gäste anschließend bei einer Führung durch die Räumlichkeiten.

Das Programm bot jede Menge Abwechslung: Neben einem Kickerturnier und der Aufführung eines eigens durch die Freizeitteilnehmenden einstudierten Theaterstücks gab es dieses Jahr erstmalig die Mitmachaktion „Actionpainting“. Dabei gestalteten die Gäste mit den Teilnehmenden ein gemeinsames Kunstwerk.

Bei Kaffee und Kuchen sowie gegen Abend bei einem leckeren Grillteller gab es viele Möglichkeiten, mit Betreuenden und Teilnehmenden ins Gespräch zu kommen. So endete der Besuchstag mit vielen neu gewonnenen Eindrücken.

Bereits in der ersten Freizeitwoche durften sich die Teilnehmenden über einen besonderen Besuch freuen: Die Musikerinnen und Musiker des Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr aus Garmisch-Partenkirchen sorgten für musikalische Unterhaltung und die Sportreibenden der Sportfördergruppe Bischofswiesen bauten einen Sportparcours auf und hatten für alle Pokale mitgebracht. An dieser Stelle ein herzlicher Dank an alle Beteiligten für dieses Engagement!

Die große Herausforderung im Umgangen mit beeinträchtigten Menschen und das Engagement unserer Betreuenden beeindruckte die Gäste auch dieses Jahr wieder, wie auch der folgende Brief von Regierungsoberamtsrat Stephan Geißler vom Bundeswehr-Dienstleistungszentrum München zeigt:

Begegnungen, die das Herz berühren, wenn Leistung schweigt und die Menschlichkeit spricht

Eben im Pongau – Ein sonniger Nachmittag im Jugendgästehaus Lindenhof, der Geruch von frisch gebackenem Kuchen liegt in der Luft, fröhliches Lachen hallt durch die Räume. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein ganz normaler „Urlaubstag“. Doch was sich hier bei der diesjährigen Freizeit des Bundeswehr-Sozialwerks e.V. (Bereich Süd) für Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigungen abspielt, ist weit mehr als eine Auszeit vom Alltag. Es ist eine eindrucksvolle Lektion in Sachen gelebte Mitmenschlichkeit.

Dank der enormen Spendenbereitschaft vieler Unterstützer konnte das Bundeswehr-Sozialwerk auch im Jahr 2026 wieder acht dieser so wertvollen betreuten Freizeiten auf die Beine stellen. Um zu zeigen, was dieses Engagement in der Praxis bewirkt, lud der Bereichsvorsitzende Süd zu einem besonderen Besuchertag nach Österreich ein. Doch wer glaubte, hier lediglich ein Standardprogramm zu erleben, wurde schnell eines Besseren belehrt.

Stille Helden des Alltags – Das Ehrenamt als Herzenssache

Schon beim Betreten des Geländes wird spürbar, was diese Freizeit im Kern zusammenhält – es sind die Menschen, die sich ehrenamtlich in den Dienst dieser Aufgabe stellen und dafür auch ihren wertvollen Erholungsurlaub opfern. Die Betreuerinnen und Betreuer leisten nicht einfach nur Dienst nach Vorschrift – sie leben diese Aufgabe mit jeder Faser ihres Seins. Mit unermüdlicher Geduld, unglaublicher Einsatzbereitschaft und spürbarer Wärme schenken sie „Ihrem“ Feriengast Zeit, Zuwendung und Barrierefreiheit im Geiste. Denn jede Betreuerin bzw. jeder Betreuer kümmert sich grundsätzlich 24/7 um einen Gast!
Gleichzeitig ermöglicht dieser uneigennützige Einsatz den Angehörigen zu Hause eine so dringend benötigte Atempause – in dem beruhigenden Wissen, dass ihre Liebsten in den besten Händen geborgen sind.

Beeindruckende Lebensfreude und echtes Engagement

Doch die Faszination dieses Nachmittags geht keineswegs nur von den Helfenden aus. Es sind vor allem die betreuten Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst, die den Besuchenden tiefe Ehrfurcht abverlangen. Trotz mannigfaltiger körperlicher und geistiger Einschränkungen legen sie bei allen gemeinsamen Aktionen, beim Programm und im Miteinander eine Begeisterung und ein Engagement an den Tag, die ihresgleichen suchen.

Beim gemeinsamen Rundgang, bei Kaffee und Kuchen sowie dem anschließenden Grillen entsteht eine menschliche Nähe und unverfälschte Freude, die unmittelbar ansteckend wirkt. Es ist eine Begegnung, die einen sanft, aber bestimmt aus der mitunter herrschenden gesellschaftlichen und sozialen Kälte zurückholt. In einer Welt, die sonst oft von Hektik, Optimierungswahn und absoluter Leistung geprägt ist, zählt hier plötzlich wieder nur eines – der Mensch.

„Man wird zutiefst demütig, wenn man sieht, mit wie viel Bereitschaft, Hingabe und Mut diese Menschen ihren Alltag und die Aufgaben vor Ort annehmen.“

Die Welt mit dem Herzen sehen

Um diese Erfahrung zu machen, muss man allerdings bereit sein, sich einzulassen. Man muss sich frei machen von Vorurteilen, Scheuklappen oder unbewussten Ängsten. Natürlich sind diese Menschen auf ihre Art anders – doch schaut man genauer hin, sind sie es eigentlich gar nicht. Sie betrachten die Welt schlicht aus einem anderen, oft viel klareren Blickwinkel. Sie urteilen nicht nach Statussymbolen oder Funktion, sondern sehen mit dem Herzen und nicht nur mit den Augen.

Es würde unserer Gesellschaft mehr als guttun, sich ein Stück dieser vor Ort gelebten Menschlichkeit und Wärme zu eigen zu machen. Sie macht die Welt nicht nur heller, sondern schlicht freundlicher.

Barrieren einreißen, Grenzen verschieben

Der Besuchstag hat einmal mehr bewiesen – das Bundeswehr-Sozialwerk e.V. ist weit mehr als eine Wohlfahrtsorganisation. Es ist ein Brückenbauer. Durch Veranstaltungen wie diese gelingt es, Vorurteile abzubauen, gedankliche Barrieren einzureißen und persönliche Grenzen bei allen Beteiligten dauerhaft zum Positiven zu verschieben. Ein Nachmittag in Eben im Pongau, der lange nachwirkt – und der zeigt, wie viel Kraft in echter Gemeinschaft steckt.

Text: BwSW