Ein Seitenwechsel eröffnet neue Perspektiven

18. Juli 2025 Bereich Nord Bereich Ost Bereich Süd Bereich West

Ralph Plaßmann – vom Urlauber zum Betreuenden

Von Nord nach Süd, von West nach Ost – egal, in welche Richtung man fährt, fast überall sind Ferienanlagen des Bundeswehr-Sozialwerks (BwSW) zu finden, auch über unsere eigenen Landesgrenzen hinweg. Da ist es schon bemerkenswert, wenn jemand von sich bekennt, (fast) alle schon einmal besucht zu haben. Wie schafft man diese rekordverdächtige Leistung? Und wer ist dieser Mensch, der das so kühn behauptet? Denn es scheint beinahe unmöglich, es sei denn, man ist schon sehr alt …

Vor den Toren von Köln habe ich ihn persönlich getroffen und konnte mich überzeugen – das Argument des hohen Alters zieht in diesem Fall nicht. Ralph Plaßmann mag zwar bereits im Ruhestand sein, so alt ist er jedoch nicht, dass dies seinen „Rekord“ glaubhafter machen würde.

Tatsächlich gehört er aber zu den Menschen, die sich mit Beendigung ihrer Berufslaufbahn in den sogenannten Un-Ruhestand begeben. So vielfältig die Gründe hierfür sein mögen, so eindeutig ist die Erkenntnis, dass dadurch sich ganz neue Möglichkeiten und Perspektiven eröffnen können. Nach dem Motto: Wo sich eine Tür schließt, da öffnet sich eine andere.

Für den ehemaligen Wehrpflichtigen (W15er) öffnete sich die Tür beim BwSW. Seine Familie ist schon seit vielen Jahren Mitglied und hat zahlreiche gemeinsame Urlaube in einer der Ferienanlagen des BwSW verbracht. Ihr Sohn Felix nimmt zudem bis heute regelmäßig an den vom BwSW angebotenen Ferienfreizeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen teil. Felix hatte fast jedes Mal denselben Betreuer, wodurch sich im Laufe der Zeit beiderseitig eine vertrauensvolle Basis entwickelt hat. Unter anderem diese positiven Erfahrungen und der Wunsch, etwas davon wiederzugeben, haben dazu beigetragen, dass Ralph Plaßmann sich entschloss, gewissermaßen die Seiten zu wechseln und vom Urlauber zum Betreuenden zu werden.

Das heißt, zusätzlich zu den Urlauben mit seiner Familie nimmt er nun an mehreren Fahrten pro Jahr als Betreuender bei den Freizeiten teil. Da bleiben auf einmal keinerlei Zweifel mehr an der rekordverdächtigen Anzahl an persönlich von ihm kennengelernten Ferienanlagen des BwSW. Ralph Plaßmann ist ein absoluter „Longrunner“.

Jede Freizeit hat ihre Besonderheiten bzw. unterschiedliche Aufgabenstellungen – auch für die Betreuenden. Das lässt sich oft schon an der Bezeichnung ablesen. So gibt es beispielsweise unter der Leitung von Ute Zielberg und Bettina Ewert die Freizeiten Ü30 und Ü30 2.0 als Erholungsmaßnahme für Menschen mit Beeinträchtigungen, die über 30 Jahre alt sind. Das Freizeitprogramm wird durch die Betreuenden jedes Mal gezielt für diese Altersgruppe zusammengestellt – vom Pyjama-Frühstück zum Tagesauftakt über Kulturprogramm in Berlin oder eine Fahrt mit dem Ausflugsdampfer auf der Mosel, Ausflügen nach Trier und Koblenz bis zur Schlager-Party, die schon mal bis zum späten Abend andauern kann. Wer gut zu Fuß ist, macht aus dem Weg das Ziel und wandert beispielsweise von Brauneberg nach Bernkastel-Kues, um vor Ort mit dem Besuch des Zylinderhauses belohnt zu werden. Ein Museum, das die Wirtschaftswunderzeit wieder aufleben lässt. Kurzum – das Programm allein für diese beiden speziellen Freizeiten ist jedes Jahr an wechselnden Orten überaus vielfältig. Für Langeweile bleibt da einfach keine Zeit. 

Auch die Miteinander-Freizeit macht ihrem Namen alle Ehre, denn sie richtet sich jeweils an die gesamte Familie eines beeinträchtigten Kindes. Hier wird das Miteinander oft auch über die Freizeit hinaus gepflegt, und es entwickeln sich Freundschaften zwischen den Familien.

Allen Freizeiten gemein ist, dass sich bei der Planung darum bemüht wird, möglichst für jeden Teilnehmenden einen Betreuenden zu finden. Nicht immer ist das jedoch erforderlich. Ralph Plaßmann war einmal sehr beeindruckt von der Selbstständigkeit seines fast blinden Schützlings, der nur relativ wenig Unterstützung benötigte. Dennoch gilt, je mehr Betreuende zur Verfügung stehen, umso wertvoller sind die Möglichkeiten zur Gestaltung der Freizeiten. Das wiederum kommt nicht nur den Teilnehmenden zugute. Mit der Zeit bilden sich auch unter den Betreuenden im besten Sinne Gemeinschaften, die voller Motivation aufgrund ihrer Erfahrungen vor Ort Ideen und Verbesserungen entwickeln und sich gegenseitig unterstützen. Auch wenn dieses Engagement manchmal an den Hürden der Bürokratie scheitert, so zeigt es doch, wie bereichernd dieses Ehrenamt ist. 

Ralph Plaßmann jedenfalls blickt schon voller Vorfreude auf die nächste Ü30 Freizeit in Grünheide bei Berlin. Bis dahin pflegt er seine anderen Hobbys, die ausnahmslos alle auch ehrenamtliche Tätigkeiten in seiner Heimatstadt sind, wie das Engagement für den SambaCabana e.V., dem Percussion-Unterricht im Jugendhaus Zahnrad oder das “Café for Ju“ ein Treff für Menschen mit und ohne Behinderung. Außerdem unterstützt er Senioren ab 75 Jahren beim Ausfüllen von Formularen oder Behördengängen. Wenn das alles nicht auch rekordverdächtig ist … 

Text: Sabine Krämer-Uhl