Abschied vom Haus Norden

09. April 2026 Bereich Nord Bereich Ost Bereich Süd Bereich West

Wasser gewinnt immer – aber das Bundeswehr-Sozialwerk hat noch einen Fuß auf der Insel

„Wasser gewinnt immer“ (Verfasser unbekannt) – dieses geflügelte Wort aus dem Bereich der bauphysikalischen Grundsätze ist nun endgültig dem „Haus Norden“ des Bundeswehr-Sozialwerk e.V. (BwSW) auf Sylt zum Verhängnis geworden. Im Februar 2026 fuhr ein kleines Team der BwSW-Bereichsgeschäftsführung Nord mit Unterstützung eines ortskundigen Betreuers der Surffreizeit nach Sylt, um das Haus Norden endgültig an den Eigentümer – die Kolleginnen und Kollegen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) – zu übergeben. Damit endet eine lange Nutzung des Hauses für Erholung von Mitgliedern des Bundeswehr-Sozialwerks.

Erbaut als Teil einer militärischen Anlage in den 1930er-Jahren als Seefliegerhorst, diente der Komplex nach dem Krieg der Aufnahme von Flüchtlingen und wurde bis in die sechziger Jahre als Wohnung genutzt. Im Mai 1979 begann mit einer feierlichen Eröffnung die Nutzung durch das Bundeswehr-Sozialwerk. Hier konnten an einer der schönsten Stellen der Insel Sylt und 600 Meter entfernt vom Strand, die Mitglieder des BwSW die Ruhe an der schönen Nordsee genießen. Unter erfahrenen Urlaubern wurde das Konzept bis zuletzt liebevoll als „überdachter Campingplatz“ bezeichnet.

Die Unterbringung erfolgte zwar in einzelnen Zimmern, jedoch war man auf gemeinsame Sanitäreinrichtungen angewiesen und das Kochen erfolgte in einer Gemeinschaftsküche mit mehreren Kochstellen. Abends traf man sich in der gemeinsamen Bar und für die Beschäftigung standen Spiel- und Aufenthaltsräume zur Verfügung. Kurz – ein Charme von Jugendherberge sorgte für das einzigartige Urlaubsfeeling und die Insel Sylt für sich ohnehin.

Aber warum sollte es diesem Haus besser ergehen als so vielen anderen Altbauten? Der Zahn der Zeit fraß sich nun auch in Form des Verfalls durch das Haus. Bereits im Jahre 2006 wurde erkannt, dass das Haus umgebaut und saniert werden müsste. Im Anschluss folgten viele grundsätzliche und baufachliche Gespräche darüber, was wie zu tun sei. Am Ende stand die Absicht, das Haus zu sanieren und so umzubauen, dass eine Vielzahl von Ferienwohnungen entstehen sollte. Das Haus wurde geräumt, um Baufreiheit herzustellen. In den letzten Jahren wurde es lediglich durch die Surffreizeit des Bereichs Nord als Spiel- und Aufenthaltsraum und Disco genutzt. In diesem Jahr wurde nun abschließend die Entscheidung durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gefällt, dass angesichts der zu erwartenden Sanierungskosten mit einer geschätzten Höhe von ca. 30 Mio. Euro ein Umbau und eine Sanierung nicht mehr infrage kommen. Der Hauptgrund für die hohen Kosten liegt vor allem darin, dass im Keller Feuchtigkeit eindrang, die zu Schimmelbildung führte – somit hat das Wasser wieder einmal gewonnen.

Abschließend waren nur noch das noch vorhandene Mobiliar und die Einbauten zu entsorgen. Es wurde geschleppt, zerlegt und stellenweise auch einfach nur kaputt gemacht. Am Ende der Aktion war eine Tonne Sperrmüll mit Hilfe von Muskelkraft und dem treuen VW-Bulli beim naheliegenden Entsorgungsunternehmen der Insel entsorgt und das Gebäude bis auf den letzten Raum geleert. Die Schlüssel wurden an die BImA übergeben und die letzten Zählerstände dokumentiert. Ein letzter Gruß und das war‘s.

Was nun aus dem Haus werden wird, ist leider nicht bekannt. Als Trostpflaster bleiben die Ferienwohnungen im benachbarten „Haus Raanhus“, wo man auch noch die Chance hat, eine schöne Zeit auf der Insel Sylt zu verbringen, und natürlich die Surffreizeit des Bereichs Nord.

Text: Arne Großmann und BwSW