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In sieben Tagen zur Kufri

Die Teilnehmer haben formuliert, was sie aus der Regenerationswoche mitnehmen. (Foto: Bundeswehr-Sozialwerk)

Bundeswehr-Sozialwerk bietet Themenwoche zum Umgang mit Stresssituationen an

Walter Engelbracht und Michael Meyer verstehen sich fast ohne Worte, die beiden sind ein eingespieltes Team. Müssen Sie auch: „Wir wissen vorher nicht, warum die Teilnehmer zu uns kommen und welchen Hintergrund sie haben“, so Engelbracht, Oberstabsfeldwebel a. D. Gemeinsam mit dem Polizisten Meyer leitet er eine Regenerationswoche für Bundeswehrangehörige und deren Familien. Mit dem Angebot möchte das Bundeswehr-Sozialwerk Bundeswehrfamilien helfen, Stresssituationen im Arbeitsumfeld und Privaten besser zu meistern.

Stress, ein Überlebensprogramm mit Tücken

Der Polizist Michael Meyer arbeitet gerne mit Menschen zusammen. (Foto: Bundeswehr-Sozialwerk)

„Kufris, das ist unsere Abkürzung für ‚kurzfristige Erleichterungen‘“, erklärt Meyer. Er bringt den Teilnehmern der Regenerationswoche bei, wie sie sich in akuten Stresssituationen aus der Lage heraus nehmen können. Sein Job qualifiziert ihn für diese Aufgabe - Meyer arbeitet in der Verhaltensprävention bei der Polizei.

Bevor die Teilnehmer ‚ihre‘ Kufris erlernen, erklärt Meyer, was Stress eigentlich ist. „Wie wirkt sich Stress aus? Was läuft bei Stress im Körper ab? Mit diesen Informationen ist es einfacher, mit Stress und dessen Auslöser richtig umzugehen“, so Meyer. Während der Regenerationswoche leitet er täglich einen Gesprächskreis mit den erwachsenen Teilnehmern.

Walter Engelbracht engagiert sich beim Bundeswehr-Sozialwerk ehrenamtlich. (Foto: Bundeswehr-Sozialwerk)

Engelbracht erläutert das Ziel der Gesprächskreise: „Die Teilnehmer sollen merken, wenn ihr Stressprogramm abläuft. Dann können sie Ressourcen aktivieren, um zu Handeln.“ Engelbracht hat während der Regenerationswoche aber eine andere Aufgabe als die Leitung der Gesprächskreise, er übernimmt die Betreuung der Kinder, mit denen die Teilnehmer anreisen.

Der Familie und sich selbst eine Auszeit gönnen

Während Meyer mit den  Bundeswehrangehörigen und deren Partnern die ca. zweistündigen Gesprächskreise durchführt, beschäftigt Engelbracht die Kinder und Jugendlichen. „Ich gehe mit den Kindern bewusst an andere Orte als das Haus, in dem gerade die Eltern reden“, so Engelbracht. Je nach Alter der Kinder gehen die Betreuer in den Klettergarten, zum Sport oder spielen.

Erwartungen der Teilnehmer an die Inhalte der Regenerationswoche des Bundeswehr-Sozialwerks. (Foto: Bundeswehr-Sozialwerk)

Während der Regenerationswoche gibt es aber auch mehrfach Programmpunkte, die alle Teilnehmer gemeinsam mitmachen. Engelbracht und Meyer vertrauen dann auf ihre jahrelange Erfahrung und Zusammenarbeit: „In den Köpfen der Familienmitglieder arbeitet es die ganze Woche, bewusst und unbewusst. Ich bin oft überrascht, was einige Teilnehmer nach kurzer Zeit zu erzählen bereit sind, was sie ihren Angehörigen nie so gesagt haben“, so Engelbracht. Die Stressursachen der Teilnehmer sind sehr vielfältig, von Überarbeitung bis PTBS haben Engelbracht und Meyer schon viel miterlebt. Während des Seminars sei der örtliche Sozialdienst für beide ständig erreichbar, betonen sie.
Was in den Gruppen und auch mit den Kindern der Teilnehmer besprochen wird, dringt nicht nach außen, das ist für die Teilnehmer sowie Engelbracht und Meyer wichtig. Auch der Sozialdienst wird nur auf Wunsch der Teilnehmer eingeschaltet.

Merken, dass man nicht alleine ist

Erkenntnisse, die die Teilnehmer aus der Regenerationswoche mit in den Alltag nehmen. (Foto: Bundeswehr-Sozialwerk)

Engelbracht ist seit ein paar Jahren im Ruhestand. Der ehemalige Oberstabsfeldwebel kennt die Bundeswehr und die Bundeswehrangehörigen aber sehr gut. „Ich wünsche mir, dass der Sozialdienst und auch Vorgesetzte die Regenerationswoche aktiv an mögliche Betroffene herantragen“, sagt er. Die Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst der Bundeswehr laufe gerade an, sollte aber intensiviert werden, meint Engelbracht.

Meyer ist mit seinem beruflichen Hintergrund der perfekte Gegenspieler zu Engelbracht: „Wenn ich bei der Begrüßung sage, dass ich nicht hier bin, um jemanden zu therapieren, dann ist die Erleichterung spürbar. Die Gesichtszüge entspannen sich noch mehr, sobald die Teilnehmer hören, dass ich nicht von der Bundeswehr komme.“ Ihn reize besonders die Gruppendynamik, die während des Seminars entsteht, so Meyer. „Eine Gruppe beim Zusammenwachsen zu begleiten, zu moderieren, das ist eine Herausforderung, die mir viel Positives gibt“, sagt er. Die Teilnehmer arbeiten viel gemeinsam heraus und kommen schnell zu der Erkenntnis, dass ihre Probleme genauso in anderen Familien vorkommen. Engelbracht ergänzt: „Unser Kontakt zu den Teilnehmern endet nicht mit der Regenerationswoche. Die Telefonnummern sind bekannt, etliche Teilnehmer nutzen die auch hinterher!“

Ein besonderes Angebot

Guter Zuhörer: Engelbracht kümmert sich um Bundeswehrangehörige, die mit Stress besser umgehen wollen. (Foto: Bundeswehr-Sozialwerk)

Die Regenerationswoche, BwSW okaY genannt, unterscheidet sich stark von den anderen Angeboten des Bundeswehr-Sozialwerks. Sprachreisen, Golfwochen oder Ferienlager bietet der Verein üblicherweise seinen Mitgliedern an. „Die Regenerationswoche ist einer unserer Beiträge, den Fürsorgeauftrag der Bundeswehr zu ergänzen“, erklärt Petra Solle. Die Arbeitnehmerin ist für die Aktiv- und Themenreisen des Bundeswehr-Sozialwerks zuständig.

Engelbracht wurde vor elf Jahren eigentlich als Leiter eines Computerkurses engagiert, den der Verein anbieten wollte. Der damalige Soldat sagte nach dem Seminar: „Wenn ihr noch mehr Sachen für mich habt, mache ich das gerne. Und nach meiner Pensionierung gebe ich richtig Gas“, versprach er. Seniorenreisen, eine Festtagsfahrt, familienfreundliche Angebote und weitere Themenreisen betreut Engelbracht seit dem. Er und Meyer wollen die Regenerationswoche sogar noch um ein Aufbauseminar ergänzen. „Glücklichere Teilnehmer, dafür machen wir das“, da sind sich die beiden einig. Und Engelbracht ergänzt: „Mich freut besonders, wenn ein Kind, das ich betreut habe, sich als Jugendlicher bei mir als Betreuer meldet. Dann kommt aus meiner Arbeit auch was Gutes für den Verein raus.“

29.06.2016

Dem pdf-Dokument können Sie einen Auszug aus dem Programm der Regenerationswoche entnehmen.

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