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Nachgefragt!

Petra Wischofsky, Chefbetreuerin der Freizeit für Menschen mit Beeinträchtigungen in Bad Saarow. (Foto: Bundeswehr-Sozialwerk)

Interview mit Petra Wischofsky, Chefbetreuerin der Freizeit für Menschen mit Beeinträchtigungen in Bad Saarow

Das Bundeswehr-Sozialwerk lebt vom Engagement der vielen Vereinsmitglieder, die sich in den Verein einbringen. Ungefähr 2.500 Ehrenamtler unterstützen den Verein mit ihren Fähigkeiten. Petra Wischofsky ist Chefbetreuerin der Freizeit für Menschen mit Beeinträchtigungen in Bad Saarow, die vom 23. Juli bis 6. August 2016 stattfand.

Petra, mit deinen 16 Einsätzen als Betreuerin in der Freizeit für Menschen mit Beeinträchtigungen gehörst du zu den großen Erfahrungsträgern in diesem Bereich. Was hat dich vor vielen Jahren bewogen, dich ehrenamtlich als Betreuerin zu melden?

Ich hatte damals im Pflegebereich des Bundeswehrkrankenhauses Berlin gearbeitet und von den tollen Freizeitangeboten des Bundeswehr-Sozialwerks für behinderte Menschen gehört. Ich dachte mir, dass die Tätigkeit als Betreuerin mir Freude bereiten könnte und ich obendrein einen schönen ehrenamtlichen Beitrag leisten kann. Wie ihr heute seht, war es genau die richtige Entscheidung!

Viele Jahre warst du als Betreuerin Mitglied des Teams. Seit 2015 leitest du diese Freizeit, koordinierst das Team, organisierst die Aktivitäten und trägst vor Ort die Verantwortung. Wie kam es zu diesem Schritt?

Ich konnte mir in den vergangenen Jahren viele Freizeiten unter verschiedenen Chefbetreuern ansehen. Natürlich denkt man immer darüber nach, was man selbst anders oder besser machen würde, wenn man in dieser Position wäre. Als wir für 2015 wieder einen neuen Chefbetreuer gebraucht haben, habe ich mich einfach getraut und eine Bewerbung abgegeben.

Was ist für dich als Chefbetreuerin die größte Herausforderung bzw. die schwierigste Aufgabe?

Die größte Herausforderung ist sicherlich, jedem in dieser großen Gruppe halbwegs gerecht zu werden. Wir haben bei unserer Freizeit in der Regel 27 Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Handicaps und Fähigkeiten. Hinzu kommen 30 Betreuer mit einem teilweise großen Altersunterschied, aus den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft, mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Erfahrungen. Alle 57 Menschen hier vor Ort haben unterschiedliche Wünsche, Vorstellungen und Bedürfnisse. Das ist ganz normal, aber natürlich immer auch eine Herausforderung.

Mittlerweile hast du auch als Chefbetreuerin einige Erfahrung sammeln können. Was ist aus deiner Sicht der größte Unterschied zu deinen vorherigen Einsätzen als Betreuerin?

Da ich jetzt als Chefbetreuerin alles irgendwie im Auge behalten muss, habe ich keinen „eigenen“ jugendlichen Teilnehmer mehr, den ich betreue. Früher entwickelte sich im Laufe der Zeit natürlich eine sehr innige Beziehung zu meinem jeweiligen Schützling. Das fehlt mir manchmal schon. Aber die Vorbereitung der Freizeit, schon lange vor ihrem Beginn, kostet einiges an Zeit. Die Planung der einzelnen Aktivitäten, die Abstimmung der Termine und Zeiten, die Preisverhandlungen mit den jeweiligen Anbietern usw. erfordern viele Telefonate und auch persönliche Besuche.

Also viel Vorbereitungszeit und dann noch die 14 Tage hier in Bad Saarow vor Ort. Lässt sich das mit deinem aktuellen Arbeitgeber – mittlerweile außerhalb der Bundeswehr - problemlos koordinieren? Bekommst du eigentlich Sonderurlaub für den Zeitraum in dem die Freizeiten stattfinden?

Mit meiner Arbeit kann ich das schon recht problemlos vereinbaren. Da ich in Schichten arbeite habe ich auch immer mal wieder die Möglichkeit, tagsüber etwas zu organisieren. Sonderurlaub bekomme ich aber leider nicht. Für die Freizeit muss ich einen Teil meines Jahresurlaubs nehmen.

10 Tage eigenen Urlaub, 2 Wochenenden während der Freizeit, 2 Wochenenden für die Betreuerschulungen und Unmengen an Stunden für Erkundungen, Telefonate und Vorbereitungen! Das ist eine Menge Freizeit, die du für die Kinder investierst. Ist das denn die nächsten Jahre für dich in dieser Form überhaupt weiterhin akzeptabel und machbar?

Ich werde mein Bestes geben. So lange es geht, werde ich die Sache durchziehen. Auch für mich sind die 14 Tage im Jahr ein Höhepunkt, auf den ich mich jedes Mal aufs Neue freue. Für die Kinder mache ich das gerne und ihre Dankbarkeit entschädigt für alles.

Was macht die Betreuung der Teilnehmer deiner Freizeit so besonders im Vergleich zu anderen Kinder- und Jugendfreizeiten des Bundeswehr-Sozialwerks?

Mit Betreuung in den anderen Freizeiten hab ich keine Erfahrung. Ich schätze aber: Die „Masse“ macht den Unterschied. Vielleicht haben wir es manchmal sogar etwas einfacher mit nur einem Teilnehmer als anderswo die Betreuer mit sieben oder acht gesunden Kindern. Das kommt natürlich immer auf die Behinderungen unserer Schützlinge an.

Ihr wart viele Sommer hier im Haus der Caritas in Bad Saarow zu Gast. Habt ihr euch hier wohlgefühlt und was hat euch besonders gefallen?

Wir haben hier wirklich immer ganz tolle Freizeiten verbracht. Das Haus ist für unsere Bedürfnisse nahezu perfekt. Da wir es immer allein genutzt haben, konnten wir uns schön ausbreiten, niemand störte uns und wir stören niemanden. Das Haus hat ein tolles, großes Außengelände, einen schönen Spielplatz und wir sind direkt am Ufer des Scharmützelsees. Das Personal hier war auch immer lieb, aufmerksam und hat immer versucht, uns alle Wünsche zu erfüllen. Zusätzlich bietet die Umgebung eine riesige Fülle schöner Freizeitangebote.

Da eine andere Nutzung des Hauses durch die Caritas vorgesehen ist, steht das Objekt zukünftig nicht mehr für uns zur Verfügung und wir werden nächstes Jahr mit der Freizeit umziehen. Wie geht es dir damit?

In diesem Jahr hier auf unabsehbare Zeit die letzte Freizeit zu verbringen macht schon ein wenig wehmütig. So viele schöne Erinnerungen hängen an diesem Ort. Andererseits bin ich auch ziemlich gespannt und neugierig auf nächstes Jahr. Ich denke wir haben mit der EJB Werbellinsee eine großartige Alternative gefunden. Dort werden wir bestimmt auch eine Menge Spaß haben!

19.08.2016

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