
REISEBERICHT über die ROLLI-SEGLER-FREIZEIT des BUNDESWEHR-SOZIALWERKS vom 09. – 15.08.2010

- Gleich werden die Segel gesetzt

- Knotenschule
Montag, 09.08.
Unsere Reise begann, nicht wie in den Jahren zuvor im Heimathafen unseres Rolli-Seglers WAPPEN VON ÜCKERMÜNDE, sondern in Rostock. Dort fand am Wochenende die HANSE-SAIL statt – Für diejenigen, die am Vortage angereist waren, ein besonderes maritimes Großereignis, das uns einen kleinen Vorgeschmack auf die nächsten 7 Tage auf der Ostsee gab. Nach einer Übernachtung in den hochmodernen Unterkünften auf dem Fliegerhorst LAAGE beschnupperten sich die Teilnehmer zunächst, waren wir doch eine strukturell äußerst inhomogene Gruppe: 2 Frauen dabei – wenn das mal gut geht -, Wessis und Ossis, der Jüngste war gerade mal 20, der Älteste 59. Ob diese Mischung sich gut vertragen kann? Und es ging, wie sich herausstellte, bestens.
Dem obligatorischen Foto vor unserem Boot und der Verabschiedung von der Vertreterin des Bundeswehr-Sozialwerks, die jeden von uns mit einem Polo-Shirt bedachte folgte eine Kurzvorstellung unserer Schiffsführung und Smutjes – Daniel und Alexander, die vom Marineamt für diese Betreuertätigkeit freigestellt wurden. Anschließend Bezug der Kojen, Einteilung eines Bordkassenführers, hastiges Erstellen der ersten Einkaufsliste und Einkaufen und dann legten wir gegen um 14 Uhr in Rostock ab. Den Nachmittag verbrachten wir mit einer ersten Einweisung über die Sicherheit an Bord. Nach so vielen seemännischen Begriffen wie, Steuerbord, Backbord, Schot, Fall, Klüver-, Vor-, Besan-, Klüver- und Großsegel, Aufschießen, Wende, Halse, usw. entspannten wir uns bei einer Tasse Kaffee. Gegen 17.30 legten wir in einem der modernsten Yachthäfen der Ostsee, in Warnemünde HOHE DÜNE an. Der Hochglanzprospekt spricht auch von einem hochklassigen 5-Sterne-Luxushafen mit 750 komfortablen Liegeplätzen für anspruchsvolle Skipper. Die sanitären Einrichtungen waren für behinderte Segler vorbildlich ausgestattet – was uns während unseres Törns in dieser Form nicht mehr begegnen sollte.
Dienstag, 10.08.
Die erste Nacht in beengten Verhältnissen einer Koje zu schlafen war erst einmal gewöhnungsbedürftig. Nach dem morgendlichen Kaffee und reichhaltigem Früh-stück legten wir ab und dümpelten unter flauem Wind Richtung Zingst–Stralsund. Der aufkommende Wind kam leider von vorn – was KREUZEN bedeutet, das ist gewissermaßen ein Zick-Zack-Kurs, bei man nur mit viel Arbeitsaufwand in die gewünschte Richtung kommt. Bei nachlassendem Wind war am Abend die Ent-fernung nach Stralsund noch sehr beträchtlich und wir so gingen wir am Abend gegen 20 Uhr am DARSSER ORT vor Anker. Freiwillige für eine notwendige Ankerwache waren rasch gefunden und der ANKERBALL mit weißem Licht gesetzt, damit wir auch nachts erkennbar waren. Für viele von uns war das Ankern auf See eine neue Erfahrung, auch wenn es um das Phänomen des SCHWOIENS ging – so nennt man das unryhtmische Schaukeln eines Bootes, wenn es vor Anker liegt.

- Immer auf Kurs
Mittwoch, 11.08.
Am Morgen zeigte sich RASMUS – so nennen Abergläubische den Gott des Windes – von seiner besten Seite, wir hatten auf der vor uns liegenden Strecke nach Stralsund, immerhin noch stramme 33 Seemeilen besten Wind in ausreichender Stärke, der unser Schiff mit 8.5 Knoten über die Fahrrinne HIDDENSEE nach Strahlsund gleiten ließ. Sandy, unsere stets gut gelaunte Mitseglerin mit Handicap, wurde bei derartigem Geschwindigkeitsrausch noch euphorischer und steckte uns alle an. Doch die Freude währte nicht lange, der Wind flaute ab und der Motor musste die fehlende Puste ersetzen, so kam der Wind nun eben „aus dem Tank“. Schon von weitem war die alte Hansestadt Stralsund zu erkennen. Das Einlaufen in den Hafen war in zweierlei Hinsicht beeindruckend, einmal durch die dominante Silhouette der Stadt mit Dom, Speicherhäuser, Gorch Fock I, Ozeaneum, und zum anderen die Vielzahl interessierter Zuschauer am Steg. Rasch wurde eine neue Einkaufsliste für die nächsten Tage erstellt, waren unsere Vorräte doch fast aufgebraucht.
Donnerstag, 12.08.
Frühes Ablegen – ohne Frühstück – war angesagt, da wir uns um 8 Uhr vor der Hubbrücke vor den Toren der Stadt nach vorheriger Anmeldung einfinden mussten. Durch den Strelasund ging es mit Motorkraft, da die enge Fahrrinne ein Segeln unmöglich machte, in den GREIFSWALDER BODDEN, Richtung Südspitze Rügens mit Ziel GAGER. Dieser kleine Seglerhafen liegt eingebettet in die wun-derbare Landschaft Deutschlands größter Insel. Besonders wir Rolli-Fahrer haben diesen Ort in nicht guter Erinnerung. Trotz Ausbau dieser für „Normalsegler“ schönen Anlage mit öffentlichen Fördermitteln hat man auf die Bedürfnisse von Rollis keine Rücksicht genommen – schade.
Freitag, 13.08.
Auslaufen Richtung Swinemünde – es briste auf – die Sonne zeigte sich von der besten Seite – gute Fahrt bei halbem Wind – und der Nachmittags-Kaffee schmeckte besonders gut. Doch diese harmonische Stimmung wurde durch ein Boot der deutschen Küstenwache jäh gestört. Die See-Polizisten kamen längsseits und statteten uns mit 2 Beamten einen zweistündigen Kontrollbesuch ab. Anschließend liefen wir in polnische Gewässer ein und legten in SWINE-MÜNDE an. Kaum angelegt, empfingen uns Schwärme kleiner, aber sehr aggres-siver Stechmücken, die uns einen ruhigen Abend nicht gönnen wollten.
Die meisten von uns ergriffen die Flucht zum Hafenfest und versuchten den eigenen Körper mit diversen Getränken immun gegen diese Stechmückenplage zu machen – gewissermaßen zu „imprägnieren“. Geholfen hatte diese Methode, wie sich am nächsten Morgen beim Frühstück herausstellen sollte, nicht. Neben dem nicht erwarteten Hafenfest haben wir Rolli-Fahrer diese Hafenanlage in angenehmer Erinnerung – der kombinierte, behindertengerecht ausgestaltete Sanitär-/Toilettenraum – ist vorbildlich und sollte in den Ostsee-Häfen Nachahmer finden.

- Kurs halten am Ruder
Samstag, 14.08.
Wir legten ab und fuhren durch den Piastorski-Kanal (ehem. Kaiser-Wilhelm-Kanal) in das GROSSE HAFF. Bei Windstärke 6 mussten rasch die Segel geborgen werden und wir wurden bei heftigem Regen ordentlich „geduscht“. So steuerten wir den letzten Hafen vor dem Ende unseres Törns – KARNIN – an. Bekannt ist dieser kleine Ort durch die Diese Eisenbahnbrücke über den Peenestrom wurde 1933 eröffnet und 1945 zerstört. Das 35 m hohe Hubteil der Brücke steht als seit Kriegsende unverändertes Fragment und technisches Denkmal mitten im Peenestrom und ist historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland. Am Abend wurden noch einmal die „Poker-Künste“ unter Beweis gestellt, oder man las vor der letzten Übernachtung auf unserem Schiff ein paar Seiten im Buch.
Sonntag, 15.08.
Die Sonne begrüßte uns am nächsten Morgen, bevor wir nach dem letzten Segelsetzen in unseren Zielort – ÜCKERMÜNDE – einliefen. Vorher wurde noch Schiffs-Diesel „gebunkert“, um der nachfolgenden Crew klare Verhältnisse zu hinterlassen. Das große „Aufklaren“ und Großreinemachen“ gehörte ebenso zu unseren letzten Aktionen unserer Reise – wollten wir doch unseren Nachfolgern gegenüber eine gute Visitenkare abgeben. Der Abschied viel schwer, aber war unausweichlich, wir dankten unser Schiffsführung und gelobten im nächsten Jahr wieder mit dabei zu sein.
G. G. 16.03.2011
