
Casinofieber in Bad Saarow
„Nichts geht mehr“ oder „Ich verzocke alles!“ waren die am häufigsten gebrauchten Sprüche beim Besuchertag anlässlich der Freizeit für behinderte Kinder- und Jugendliche des Bundeswehr-Sozialwerkes e.V. (BwSW) am 2. August 2011 in Bad Saarow. Die Bildungsstätte der Caritas, nunmehr zum sechsten Mal Austragungsort dieser Freizeit im Bereich Ost, verwandelte sich an diesem Nachmittag in ein Spielcasino der besonderen Art:
26 Teilnehmer, deren Betreuer und Gäste – alle fein herausgeputzt- waren kräftig am zocken bei Black Jack, Roulette, Hütchenspiel, Memory und Wettpuzzeln. Es gab eine Bank und eine Cocktailbar mit alkoholfreien exotischen Getränken. Ein Spielerparadies, fasst wie im echten Leben! Da hat sich die Mannschaft um Chefbetreuerin Christiane Stock-Heidensohn aber was Schönes ausgedacht.
„Der Plan des allseits beliebten Casinoabends“ so Jens Heinrich, einer der 29 Betreuer, „entstand schon Monate zuvor bei der Betreuerschulung. Vorab wird schon mal die „alte DM“ gedruckt, während der Freizeit von den Teilnehmern geschnitten und sortiert, die Spiele werden gebastelt, Plakate und Dekoration erstellt, Einkäufe für die Bar erledigt. An so einem Tag ist natürlich ein bestimmter Dresscode angesagt. Zu deutsch, wer keine „casionotaugliche“ Bekleidung mit sich führt, dem wird eine Krawatte oder Fliege gebastelt und, wie in früheren Jahren schon passiert, auch mal ein Kleid geschneidert. Da jeder Teilnehmer an diesem Tag besonders gut aussehen möchte, wurden vorher noch Haare gefönt und gestylt, Krawatten und Fliegen gebunden, nochmal Hemden getauscht usw.
Ebenso erschienen alle Betreuer in Abendgarderobe.“ Das Besondere an diesem Tag war, dass auch alle 25 Gäste aktiv einbezogen waren, denn jedem wurde ein Teilnehmer als Pate zugeordnet, der das nötige „Kleingeld“ hatte. Das war ein Gewusel an den Spielstationen, ein Gelächter, ein Abklatschen, Umarmen und Händeschütteln. Mit Stolz und Freude wurden die erspielten Gewinn an der Bar eingelöst, die zeitweise regelrecht belagert war. „Es ist erstaunlich, wie viel Freude man hier wahrnehmen kann“, sagte Oberfeldarzt Dr. Jens-Peter Evers, Kommandeur Lazarettregiment 31 aus Berlin.

Die Gäste, unter ihnen der Präsident der Wehrbereichsverwaltung Ost, Heinrich Michael Schrömbgens, wurden zuvor in der Aula empfangen. Regierungsdirektorin Irina Frenzel, Bereichsvorsitzende Ost, hob Tradition und Bedeutung der Besuchertage hervor. „ Nicht mit allen Menschen hat es das Schicksal gut gemeint.
Für Bundeswehrangehörige, deren Familien von einer Behinderung betroffen sind, bieten wir mit diesen Freizeiten aus der Aktion Sorgenkinder einen kleinen Trost und Abwechslung im schweren Alltag. Das geht aber nur, weil Finanzierung und eine 1:1 Betreuung stehen. Die Freizeiten sind rein spendenfinanziert.
Allein in Bad Saarow betragen die Kosten pro Teilnehmer 3.330 Euro, wovon tatsächlich nur 210 Euro von den Familien zu tragen sind.“ Gedankt wurde den anwesenden Gästen für ihre Unterstützung für die zahlreichen Spendenaktionen in den Dienststellen und Einheiten, für Sachspenden sowie Freistellung von Mitarbeitern und Soldaten für die Betreuertätigkeit. Besonders gut kam auch eine spontane Scheckübergabe in Höhe von 650 Euro durch den Leiter Instandsetzungszentrum Sanitätsmaterial aus Blankenburg, Oberfeldapotheker Hartmut Berge, an, der mit seinen Untertageführungen auch dem Sozialwerk seit langem Gutes tut.
„Es ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ich versichere Ihnen, wir werden in unseren Anstrengungen nicht nachlassen“, so Berge. Weitere Überraschungen waren ein Zweierbob zum reinklettern, vom Leiter der Sportfördergruppe Oberhof, Oberstabsfeldwebel Roland Saar, und ein Einsatzfahrzeug sowie Motorrad der Feldjäger um Oberstabsfähnrich Martin Stoklas vom Feldjägerbataillon 350 aus Storkow.
Das war Bundeswehr zum Anfassen und Ausprobieren. Und Sascha, unser Teilnehmer aus Lahnstein, gab dem Bob auch gleich seinen Namen: „Bob Eins“.
Zum ersten Mal waren das Ehepaar Anita und Friedrich Mehl von der Mehl’schen Stiftung aus Berlin dabei, die zur großen Stifterfamilie Bundeswehr-Sozialwerk e.V. gehören, die mit ihren Erträgen die Aktion Sorgenkinder unterstützt: „Das Glück lag heute auf meiner Seite“ so Friedrich Mehl „nicht nur weil ich heute beim Roulette gewonnen habe, sondern in so viele glückliche und zufriedene Gesichter sehen durfte.
Somit kann ich in unserem Falle auch feststellen, dass meine Frau und ich mit unserer Stiftung die richtige Entscheidung getroffen haben“.
Glücklich waren am Ende alle, die beim Besuchertag dabei waren. Übrigens: wer sich für eine Betreuertätigkeit interessiert wendet sich bitte an die Bereichsgeschäftsführung Ost.
I. F. 20.10.2011



